Rolfing® nach Schwangerschaft und Geburt

Eine Schwangerschaft stellt – bei aller Vorfreude auf den Nachwuchs – eine riesige Herausforderung für den Körper der Frau dar. Vor allem in den letzten Monaten klagen viele Frauen über Beschwerden, z.B. im Rücken, in den Füßen und auch beim Atmen. Und nach der Geburt des Kindes läuft die Rückbildung manchmal nicht so reibungslos wie erwartet. Wie kann Rolfing jungen Müttern helfen, ihr körperliches Gleichgewicht wieder zu erlangen?

Schwangerschaft ist Höchstleistung für Mutter und Kind

Kinder zu bekommen ist „die natürlichste Sache“ der Welt, heißt es. Zugleich ist es ein wahres Wunder der Natur. Von der Befruchtung der Eizelle über die atemberaubende Entwicklung des Embryo bis zu einem „fertigen“ kleinen Menschen. Einem Wunder gleicht auch, wie der Körper der Mutter sich an die Bedürfnisse des wachsenden Kindes anpasst, welche extremen Belastungen er bewältigt, bis hin zur Geburt. Und wie dieser Körper sich nach der Geburt aufs Stillen einstellt und wieder regenerieren kann.

 

Letzteres aber ist oft nicht so einfach wie gedacht oder wie es die Ratgeber-Bücher und Magazine vermitteln wollen. Denn der Körper einer Frau verändert sich während der Schwangerschaft erheblich, und das reicht weit über die Geburt hinaus. Viele Mütter müssen feststellen, dass Rückbildungs-Kurse nicht ausreichen, um ihr körperliches Gleichgewicht wieder zu finden.

Häufige Beschwerden während der Schwangerschaft

Das myofasziale Netzwerk des Körpers (Muskeln und Faszien zusammen) ist in der Schwangerschaft stark beansprucht. Durch die hormonelle Umstellung kommt es zu einer Lockerung von Sehnen, Bändern und anderen Faszienstrukturen. Zugleich muss sich die ganze Körperstatik an das zunehmende Gewicht des Kindes anpassen. Das alles geht oft mit Beschwerden einher, weil einzelne Regionen des Körpers die Veränderungen nicht adäquat kompensieren können.

 

Zu den häufigsten Beschwerden während der Schwangerschaft zählen Rückenschmerzen, Ischialgien, Anpassungsschwierigkeiten der Rippenbögen sowie  – wegen vermehrter Flüssigkeitseinlagerungen – das Karpaltunnelsyndrom, erläutert Dorit Schatz, erfahrene Hebamme und langjährige Rolferin in München. Sie sagt: „Gerade Frauen mit Beinlängendifferenz, Beckenschiefstellung und Skoliose haben eine besondere Herausforderung, sich an die Lockerung des Gewebes und die Verschiebung des Körperschwerpunkts in der Schwangerschaft anzupassen.“

Wie und wann kann Rolfing jungen Müttern helfen?

Rolfing® Strukturelle Integration arbeitet gezielt mit dem myofaszialen Netzwerk und kann auf sanfte Weise dazu beitragen, dem Körper der Frau nach der Schwangerschaft wieder zu einer gesunden Balance zu verhelfen.
Konkrete Beispiele: 

Symptome im Beckenbereich

Das Becken fühlt sich nach der Geburt vielleicht irgendwie schief an, auch nicht so stabil wie vorher. Möglicherweise melden sich Schmerzen im Iliosacral-Gelenk oder im Bereich der Symphyse (Schambein). 

Die hormonelle Situation in der Schwangerschaft hat zu einer Lockerung des Beckengürtels geführt, was wichtig ist für die Geburt. Ist allerdings die Stabilität des Beckens nicht mehr gegeben, kann es zu Beschwerden kommen.

Nach der Schwangerschaft helfen Rolfing-Sitzungen, den gesamten Beckenbereich mit Kreuzbein und Steißbein wieder auszugleichen und auszurichten. Und da die Dysbalance den gesamten Körper betrifft, arbeiten Rolfer sicher nicht nur am Becken.

 

 

 

Weibliches Becken

Gefühl von „noch schwanger“ nach der Geburt

Über die Monate, in denen das Baby im Bauch der Mutter heranwächst, entsteht ein starker Druck und Schub in alle Richtungen.

 

Die Bauchorgane – wie Leber, Nieren, Magen und Darm sind gezwungen, auszuweichen und ihre Positionen zu verändern. Das ist nur möglich, weil sich die „Faszien-Tüte“ um unsere Bauchorgane – das Peritoneum – extrem anpassen und entfalten kann. Die Tüte ist nämlich nicht straff um die Bauchorgane gespannt, sondern faltet sich zwischen den Organen hinein und hinaus. So kann sie in der Schwangerschaft quasi Falten freigeben und zusätzlichen Raum bereitstellen.

 

Doch nach der Schwangerschaft finden Bauchorgane und Peritoneum oft nicht an den Platz zurück, an dem sie sich vorher befunden haben. Das fühlt sich dann so an, als dränge der Bauch nach außen und unten – wie schwanger eben. Ein Training der Bauchmuskeln ändert daran wenig, kann sogar kontraproduktiv sein. Mit speziellen Faszientechniken können Rolfer hier spürbare und sichtbare Erleichterung schaffen.

Probleme bei der Atmung

Da die Schwangerschaftshormone alle Muskeln und Faszien weicher werden lassen, betrifft dies auch das Zwerchfell. Sein Zugvolumen ist beeinträchtigt, oft schon im frühen Stadium einer Schwangerschaft. Dadurch wird eine freie Atmung immer schwerer. Hinzu kommt, dass der Druck des wachsenden Bauchraums diesen wichtigen Atemmuskel in Bedrängnis bringt. Denn das Zwerchfell will sich bei der Einatmung nach unten bewegen und so die Ausdehnung der Lunge und des Brustkorbs ermöglichen. Doch je größer das Kind im Bauch wird, desto stärker der Gegendruck. Es wird enger im Brustkorb. Da das Zwerchfell auch hinten an der Wirbelsäule ansetzt, kann zusätzlich die Beweglichkeit von Gelenkverbindungen zwischen Wirbeln und Rippen beeinträchtigt sein.

Rolfing kann auch hier für Ausgleich sorgen.

Rückenschmerzen nach der Schwangerschaft

Um das zunehmende Gewicht des Kindes auszugleichen, verstärkt sich im Lauf der Schwangerschaft die physiologische Krümmung der Lendenwirbelsäule (Lordose). Es wäre wohl unangemessen, von einer „Fehlhaltung“ zu sprechen, aber dadurch kann es zu Rückenschmerzen kommen. Wenn sich die Beschwerden nach der Schwangerschaft nicht auflösen, kann Rolfing helfen, die Körperstruktur wieder so auszurichten, dass sie sich „im Lot“ befindet. Darunter verstehen wir Rolfer die möglichst optimale Ausrichtung des Körpers in der Schwerkraft. Dabei arbeiten wir auch mit den Bauchorganen. Die Wirbelsäule und die Myofaszien des Rückens können so wohltuend entlastet werden.

Verkürzte Faszien auf der Beinrückseite

Nicht nur der Rücken, auch die Beine haben während der Schwangerschaft hart zu arbeiten. Auf der Beinrückseite muss sich der Tonus der Muskulatur erhöhen, um dem Zug des Bauchs nach vorn zu begegnen. Im Lauf der Monate passen sich die Faszienhüllen und -schichten an den erhöhten Tonus an. Sie verstärken sich und die Fasern der Faszien bauen sich entsprechend um. Nach der Schwangerschaft ist es deshalb hilfreich, verhärtete und möglicherweise verklebte Faszienschichten auf der Beinrückseite mit Rolfing wieder zu lösen.

Nackenverspannungen und Kopfschmerzen

Hilfreich ist Rolfing auch bei schmerzhaften Verspannungen in Schultern und Nacken, die häufig zum Beispiel beim Stillen des Babys entstehen – bis hin zu Blockaden der Halswirbelsäule. „Nackenverspannungen und dadurch ausgelöste Kopfschmerzen kommen in der Stillzeit, auch durch das Tragen des Kindes, sehr häufig vor,“ sagt die Rolferin und Hebamme Dorit Schatz.

Probleme mit den Füßen

Viele Frauen leiden während und nach der Schwangerschaft unter Fußschmerzen und ermüdeten Fußgewölben. Grund auch hier: die weicheren Bänder, Sehnen und Gelenkverbindung durch Schwangerschafts-Hormone und später auch durch die Hormone in der Stillzeit. Oftmals geben die Fußgewölbe einfach auf und finden nicht zu ihrer gesunden Sprungkraft zurück.

 

Anstatt gleich zu orthopädischen Einlagen zu greifen (die zwar entlasten, aber nichts an der Ursache ändern), kann Rolfing Statik und Funktion der Fußgewölbe positiv beeinflussen.

Rolfing® Faszientherapie nach Kaiserschnitt

Nicht zuletzt kann Rolfing nach einem Kaiserschnitt hilfreich für junge Mütter sein. Auch wenn die Narbe äußerlich gut verheilt ist, sie reicht tief hinein. Denn der Schnitt hat auch Faszien- und Muskelschichten bis in die Gebärmutter durchtrennt. Es kann zu großräumiger Taubheit im Bereich der Narbe kommen. Viele Frauen spüren zudem durch Verwachsungen und eine Dysbalance der Bauchorgane einen unangenehmen Zug im Bauchraum. Manche fühlen sich „zweigeteilt“: Der Körper über der Narbe und der unter der Narbe fühlen sich getrennt an. Rolfing adressiert alle beteiligten Faszienstrukturen, fördert die Integration der Narbe und spricht auch die Körperwahrnehmung an.

Ist Rolfing auch während der Schwangerschaft empfehlenswert?

Ja und nein. Klassisches Rolfing fordert vom Körper ein hohes Maß an Anpassung aller Körperbereiche. Vor allem im ersten Trimester einer Schwangerschaft ist die klassische manuelle Arbeit nicht empfehlenswert. Der Körper der Frau könnte überfordert sein, denn er ist ja schon mit einem anderen großen Projekt beschäftigt, betont Rolferin und Hebamme Dorit Schatz.

 

„Von außen kann man einer Schwangerschaft nicht ansehen, wie stabil sie ist. Da Rolfing durch die Umstrukturierung des Gewebes immer eine vorübergehende Instabilität schafft, können instabile Schwangerschaften gefährdet werden.“

 

Sehr empfehlenswert sind allerdings Rolf Movement-Sitzungen, bei denen Schwangere lernen können, wie sie ihren Körper trotz des wachsenden Bauchs besser in der Schwerkraft organisieren können. Viele Rolfer verfügen über diese zusätzliche Qualifikation. Auch Fortbildungen in viszeraler Osteopathie sind hilfreich.

Fazit

Die Faszientherapie Rolfing® kann jungen Müttern vor allem nach der Geburt des Kindes spürbar und sichtbar helfen, ihre körperliche Balance wieder zu finden. Vielen Beschwerden wird so die Grundlage entzogen. Während der Schwangerschaft, vor allem in den ersten Monaten, ist die klassische manuelle Rolfing-Arbeit nicht empfehlenswert. Hier kann aber eine Schulung von Körperwahrnehmung und Bewegungsmustern hilfreich sein, wie sie das Rolf Movement bietet. Rolf Movement kann auch die Rückbildung effektiv unterstützen.

FAQs zu Rolfing und Schwangerschaft

Ist während der Schwangerschaft von Rolfing abzuraten?

Eine Schwangerschaft stellt für den Körper der Frau eine große Herausforderung dar. In dieser Zeit kann ein Eingriff in diesen Prozess schnell zu einer Überforderung des Körpers führen. Im ersten Trimester ist eine klassische Rolfing Sitzung nicht zu empfehlen, ab dem zweiten Trimester kann Rolfing z.B. bei Problemen mit der Atmung sanft und gezielt unterstützen. Lassen Sie Ihren Rolfer daher vor einer Rolfing Sitzung unbedingt wissen, dass Sie schwanger sind.

Beckenschmerzen nach der Geburt – was tun?

Die hormonelle Veränderung in der Schwangerschaft bewirkt u.a. eine Lockerung des Beckengürtels in Vorbereitung auf die Geburt. Dies kann so weit gehen, dass es zu einer Instabilität im Beckenbereich kommt, die Schmerzen im Iliosakralgelenk oder der Symphyse zur Folge hat. Nach der Schwangerschaft können Rolfing-Sitzungen helfen, dieses Ungleichgewicht wieder auszugleichen, den Körper wieder ins Lot zu bringen und den Schmerzen somit die Grundlage zu entziehen.

Von Rolferin Susanne Noll in München, in Zusammenarbeit mit der Rolfing-Kollegin und Hebamme Dorit Schatz

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